Die Scherenschneider Nolden
Heinrich Nolden sen. (1876-1941) schnitt schon als Kind begeistert mit der Schere. Später übte er verschiedene Berufe aus, ging schließlich auf Wanderschaft und landete in Paris. Zur Weltausstellung im Jahre 1900 erhielt er sogar einen Pavillon auf dem Eiffelturm. Der Eiffelturm wurde schließlich drei Jahrzehnte lang zur Arbeitsstätte Noldens. Seine Scherenschnitte waren begehrt: es sollen ihm gekrönte Häupter wie die Königin der Niederlande, der König von Schweden und der Schah von Persien ebenso Modell gesessen haben wie Max Schmeling und Marlene Dietrich. Der Sohn, Heinrich Nolden jun. (1922-1998), folgte ihm auf diesem Berufsweg und arbeitete später auf großen Volksfesten und Jahrmärkten. Das Leben der beiden Scherenschneider war überaus abwechslungsreich und böte sicherlich genügend Stoff für einen Abenteuer-Roman. Die Biografien von Vater und Sohn Nolden geben aber auch Einblicke in zwei ungewöhnliche Lebensläufe, die stellvertretend für diesen seltenen Berufsstand sind. Silhouetteure waren Volkskünstler, deren "schwarze Kunst" sich in vergangenen Jahrhunderten diejenigen leisteten, die einen Portrait-Maler nicht bezahlen konnten. Über ihren Alltag und Arbeitsablauf war bisher wenig bekannt. Das Helms-Museum will nun mit der neuen Ausstellung der Kulturgeschichte von Jahrmärkten eine neue Facette hinzufügen.
Zur Ausstellung im Helms-Museum
Schon 1968 zeigte das Helms-Museum eine Ausstellung von Scherenschnitten aus dem Nolden-Nachlass. Inzwischen wurde der äußerst umfangreiche Nachlass von Heinrich Nolden sen. und Heinrich Nolden jun. von dessen Kindern geordnet und von der Tochter Brigitte Nolden zudem eine Familiengeschichte verfasst. Die Ehefrau von Heinrich Nolden jun. schrieb ein Tagebuch, in das viele Erinnerungen aus dem Arbeits- und Familienleben einflossen. Mit Hilfe dieser Informationen konnte ein seltener Einblick in die Arbeit professioneller Silhouetteure gewonnen werden. Wurde bei der ersten Ausstellung im Helms-Museum besonders der künstlerische Aspekt berücksichtigt, so sollen bei der aktuellen Sonderausstellung die Arbeit und das Leben zweier Mitglieder des "Fahrenden Volkes" im Mittelpunkt stehen.
Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Stücke aus dem mehrere tausend Silhouetten und Scherenschnitte umfassenden künstlerischen Nachlass, der vor allen Dingen auf Heinrich Nolden sen. zurückgeht. Außerdem werden Fotos, Geburtsurkunden und Postkarten, Briefe, Verträge, Annoncen und Zeitungsartikel gezeigt. Das Handwerkszeug von Heinrich Nolden jun. soll einen Einblick in die Arbeitsweise eines professionellen Silhouettisten geben.
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