Zur Ausstellung im Helms-Museum
Der Künstler und Wahl-Hamburger Wolfgang Götze ist bekannt und beliebt für seine mit Akribie und Liebe gezeichneten Stadtansichten. Als er sich 1950 in Hamburg niederließ, war er fasziniert von dem sich rasant verändernden Stadtbild Hamburgs. In über 35 Jahren reger Zeichentätigkeit entstanden mehr als 1.000 Ansichten von bekannten und weniger bekannten Gebäuden und Straßenzügen, von im Entstehen begriffenen Bauten und von solchen, die vom Abriss bedroht waren. Mit Recht kann Götze daher als "Hamburg-Chronist mit dem Zeichenstift" bezeichnet werden. Die meisten seiner Hamburg-Ansichten fertigte Götze im Auftrag des Hamburger Abendblattes an. Sie wurden unter Rubriken wie "Hamburg mit den Augen des Künstlers" oder "Wolfgang Götze sieht Hamburg" im Hamburger Abendblatt und seinen Stadtteilausgaben abgedruckt und erlangten so eine große Verbreitung und Popularität.
Die Werkschau im Helms-Museum zeigt über 100 dieser Stadtansichten mit Motiven aus Hamburg und Umgebung sowie auch weniger bekannte Arbeiten Götzes. So werden auch Porträtzeichnungen regionaler und überregionaler Persönlichkeiten zu sehen sein, die Götze für die Rubrik "menschlich gesehen" des Hamburger Abendblattes angefertigt hat. Daneben werden Originalvorlagen für Karikaturen, Comics und Illustrationen präsentiert, die für die Witzseiten von HÖRZU, Die Welt und andere Illustrierte und Zeitschriften entstanden sind und in denen Wolfgang Götzes humoristisches und erzählerisches Talent besonders zum Ausdruck kommt. Dieses Talent fand auch Eingang in zahlreiche Buch-Illustrationen. Eine Auswahl von ihnen wird in der Ausstellung zum Schmökern und Schmunzeln bereit liegen. Interessante Einblicke in die Werbung der späten 1930er und 1950/60er Jahre bieten die Plakate und Werbegrafiken, die Götze unter anderem im Auftrag des Tabakkonzerns BAT entwickelte. Seine frühen Aquarellbilder und später entstandenen Gemälde werden Götze als Maler zeigen.
Zur Person Wolfgang Götze
Am 26.02.1906 in Oldenburg in Oldenburg als Sohn des Direktors der dortigen Musikschule geboren, sollte Götze nach dem Abitur 1926 die theologische Laufbahn einschlagen. Götze entzog sich jedoch dem Wunsch seines Vaters und begann 1926 in den USA Architektur zu studieren. Schon bald verlagerte er seinen Studienschwerpunkt auf die Ausbildung zum Illustrator und Werbegrafiker. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich unter anderem als Zeichner für den Chicago Tribune. Zurück in Deutschland arbeitete er in den 1930er Jahren als Werbegrafiker. In dieser Zeit unternahm er mehrere Reisen nach Frankreich, Spanien und Italien. Hier entstanden seine frühen in Aquarell gemalten Landschaftsbilder und Stadtansichten. Als Soldat der 6. Armee geriet er 1942 bei Stalingrad in Gefangenschaft. Bis 1948 war er in dem Gefangenenlager Beketowka interniert. Im Lager gründete er eine Theater- und Kulturgruppe. Er entwarf die Bühnenbilder, übernahm Theaterrollen und führte Gesangsstücke auf. Daneben malte und zeichnete er Landschaften, Porträts und Tierbilder. Viele seiner Bilder entstanden im Auftrag der Lagerverwaltung, die ihm dafür Farbe und Papier zur Verfügung stellte und ihn vom Arbeitsdienst befreite. Einige Zeichnungen und Aquarelle aus dieser Zeit sind noch erhalten. 1950 siedelte Götze nach Hamburg über. Als freier Zeichner, Illustrator und Werbegrafiker machte er sich bald einen Namen. Unermüdlich zeichnete Götze noch im hohen Alter. 82-jährig starb er am 25. Januar 1988 während eines Spazierganges. Er war auf einer Parkbank eingeschlafen.
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